15. April bis 10. Juni 2012

Das unverkennbare Werk von Walter Brusius ist vielfältig in seinen Ausdrucksmitteln und doch ungeheuer präzise. Zarte Aquarelle wie feine Zeichnungen sind nicht weniger intensiv als markante, vielschichtige Gemälde und ebenso erzählerisch verdichtet, wie zu Büchern gebundene Collagen oder erdachte und gesprochene Texte. Am 20. Mai, anlässlich des Internationalen Museumstages, können Sie eine Kostprobe erleben, wenn Armin Peter Faust Texte von Walter Brusius liest.

Walter Brusius wurde 1950 in Niederwörresbach im Hunsrück geboren. Nach einer Ausbildung zum Exportkaufmann übersiedelte er 1971 nach Aachen und begann sich autodidaktisch mit Malerei auseinanderzusetzen. Zwei Jahre später begann er ein Studium der Malerei und Grafik an der Fachhochschule Kunst & Design in Köln, das er 1980 als Meisterschüler von Werner Schriefers abschloss. Zunächst hatte Brusius sein Atelier in Düsseldorf, bevor er 1983 nach Bad Kreunach zog, wo er seither lebt und arbeitet. 1999 wurde Walter Brusius mit dem Kunstpreis der Stadt Bad Kreuznach ausgezeichnet.

Öffentliche wie private Sammlungen besitzen seine Werke, die, den schöpferischen Prozess dokumentierend, regelmäßig in Ausstellungen vorgestellt und in Publikationen festgehalten werden. Anknüpfend an die seit 2003 bestehende großzügige Leihgabe von Gemälden des Künstlers durch Marieluise von Schuckmann an den Landkreis Birkenfeld, die als korrespondierende Einheit im Sitzungssaal der Verwaltung präsentiert werden, zeit das Maler-Zang-Haus in dieser Ausstellung das jüngste malerische Werk von Walter Brusius.

In dieser Ausstellung entführt Walter Brusius im gesamten Obergeschoß in einen eigens geschaffenen „Bildergarten“ aus hunderten kleinstformatiger Gemälde, dem folgende autobiografisch-fiktive Geschichte zugrunde liegt: „Ein Bub, der auf dem Land lebt, erhält regelmäßig Post von seinen drei Onkels aus Paris. Die verwenden dafür aber nicht das übliche Repertoire, sondern schneiden „aus unerfindlichen Gründen“ Bildchen aus einem Lexikon aus, kleben diese auf die Karten und schicken sie dem Neffen.“ So entsteht in der Fantasie des Jungen ein noch fantastischeres Bild der Metropole, gleichbedeutend mit der großen weiten Welt.

Brusius’ „Bildergarten“ entstand in Konfrontation mit dem französischen Lexikon „Nouveau Larousse Universelle“, dessen Verlagssymbol eine junge Frau zeigt, die die Samen einer Pusteblume wegbläst; dessen Wahlspruch lautet, sinnbildlich für den Bildergarten, „Je sème à tout vent“ (frz. „Ich säe aus in alle Winde“).

Brusius beschreibt die Entstehung dieser neuesten Werkgruppe mit eigenen Worten folgendermaßen: „Ich habe allerhand an Zurückliegendem revuepassieren lassen, aber auch nach vorne geschaut. Grundsätzlich habe ich meine Bildwelt noch einmal mit der Wirklichkeit, vertreten durch das auf dem Tisch liegende Lexikon vor mir, konfrontiert. Das heißt, ich habe nach Themen, die ich in meinem Weltbild einordnen kann und gleichzeitig danach, wie ich sie in meine Formensprache übersetzen kann gesucht. Ich war auf eine Erweiterung meiner Bildwelt und Formensprache aus. Manche Wirklichkeiten des Lexikons habe ich aber mit meinem Traumbild als Gegenentwurf beantwortet; es gibt also Schöpfungen fern des wissenschaftlichen Kanons. Es war dieser Prozess eine Befragung meines Selbst und zusätzlich eine Korrespondenz mit dem Lexikon als eine kontrollierende, herausfordernde Wirklichkeit außerhalb von mir.“

Lassen Sie sich in diese außergewöhnliche, aber typische Brusius’sche Welt zwischen Fantasie und Realität entführen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für unsere kleinen Besucher haben wir den Museumskoffer für die Reise in die Welt der Kunst mit lustigen Bildern zum Weitermalen und bunten Stiften gepackt.

Führungen für Kinder (Schulklassen, Kindergartengruppen) und Erwachsene bietet Kuratorin Denise Essig auf Anfrage. Information und Anmeldung unter Tel. 06782-15164.

Weitere Veranstaltungen im Rahmenprogramm  (öffentliche Führungen, Lesung am Internationalen Museumstag) der Ausstellung finden Sie in der Rubrik Termine.

An gesetzlichen Feiertagen, die nicht auf einen Sonntag fallen, bleibt die Ausstellung geschlossen (1. Mai, 17. Mai Christi Himmelfahrt, 28. Mai Pfingstmontag und 7. Juni).

 

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